Abschied von der Printausgabe – und ein dringender Appell zur Unterstützung der Straßenzeitungsverkäufer:innen
Mit
Ende Dezember 2024 hat der Verein Die Bunten seine Straßenzeitschrift
nicht mehr als Printausgabe weitergeführt. Diese Entscheidung ist uns
nicht leichtgefallen. Über viele Jahre war die gedruckte Zeitschrift ein
sichtbarer Ausdruck unserer Arbeit: ein Medium für Diversität,
Pluralität, Inklusion, Chancengleichheit, Migration, Antirassismus,
Feminismus, Kunst und gesellschaftliche Teilhabe – und zugleich eine
konkrete Möglichkeit für Straßenzeitungsverkäufer:innen, ein Einkommen
zu erzielen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Die Gründe
für das Ende der Printausgabe sind vor allem finanzieller und
organisatorischer Natur. Ein besonders schwerer Einschnitt war der
gesundheitsbedingte Ausfall von Cyril Chima Ozoekwe, der die
Kolporteur:innen viele Jahre betreut und begleitet hat und Ende 2023 aus
dieser Tätigkeit ausschied. Mit seinem Wegfall ist eine zentrale Stütze
der Vertriebs- und Betreuungsarbeit weggebrochen.
Im Verlauf des
Jahres 2025 wurden und werden bis heute alle
Straßenzeitungsverkäufer:innen, die bisher mit den Bunten verbunden
waren, an andere Straßenzeitungen weitergeleitet. Uns ist wichtig, dass
die betroffenen Verkäufer:innen nicht allein gelassen werden und
weiterhin Möglichkeiten finden, ihre Tätigkeit fortzusetzen.
Alte Printausgaben der Bunten können weiterhin auf Anfrage bezogen werden. Zusätzlich sind Ausgaben über unseren Shop unter payhip.com/buntesAT
verfügbar. Die Redaktion arbeitet außerdem daran, die gesamte
Publikationstätigkeit des Vereins in einem umfassenden Archiv zugänglich
zu machen. Damit soll die Geschichte dieser Medienarbeit erhalten
bleiben – als Dokument einer langjährigen zivilgesellschaftlichen,
journalistischen und sozialen Praxis.
Gleichzeitig richten wir
einen dringenden Appell an alle Leser:innen, Unterstützer:innen und
Wegbegleiter:innen, die Straßenzeitungsverkäufer:innen weiterhin zu
unterstützen. Ihre Situation hat sich in den vergangenen Jahren nur
teilweise verbessert. Viele Menschen leben weiterhin in prekären
Verhältnissen, besonders ältere und kranke Verkäufer:innen sind nach wie
vor stark betroffen.
Es gibt aber auch Erfolge: zahlreiche
Kinder ehemaliger Kolporteur:innen gehen mittlerweile in Österreich zur
Schule. Viele frühere Verkäufer:innen haben Arbeit gefunden, Stabilität
gewonnen und neue Perspektiven entwickelt.
Das Ende der
Printausgabe der Bunten bedeutet aber nicht das Ende unseres
Engagements. Es ist ein Einschnitt, aber auch ein Übergang. Die Arbeit
für Würde, Gerechtigkeit, Demokratie und eine inklusive Gesellschaft
geht weiter – in anderen Formen, mit neuen Projekten und mit dem
Bemühen, die Geschichte der Bunten zugänglich zu halten. Bleiben Sie
weiter informiert unter www.buntes.at.
Wir
danken allen Menschen, die unsere Zeitschriften über die Jahre gelesen, gekauft,
verkauft, unterstützt, geschrieben, gestaltet, begleitet und ermöglicht
haben.
Und wir bitten: Schauen Sie nicht weg. Kaufen Sie weiterhin Straßenzeitschriften.

